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Spirale nach unten

Erst Detlef Dülfer, jetzt Klaus Friedel. Wichtige Funktionsträger der Korfball-Szene haben die Brocken hingeworfen. Von oftmals unsachlich geführter Kritik genervt und schließlich entnervt.

Unabhängig voneinander haben sie ihre Ämter aufgegeben, aber mit dem gleichen Tenor: Zu viel Arbeit auf wenigen Schultern, kaum Unterstützung, wenig Bereitschaft, bei der Lösung der Probleme mit anzupacken.

Dülfer und Friedel haben die Konsequenzen gezogen. Beide sind „Multi-Funktionäre“, haben Ämter zusätzlich übernommen, die andere nicht wollten. „Damit der Laden läuft“, sagt Detlef Dülfer. Der 35-jährige Castrop-Rauxeler legte bereits vor einiger Zeit das Amt des Liga-Ausschuss-Vorsitzenden nieder. Er sagt „aus privaten und beruflichen Gründen“. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. „Fünf dicke Ämter“ habe er in letzter Zeit parallel geführt, und es gerne gemacht. Bis die Kritik aus diversen Richtungen Überhand nahm.

„Wenn alles läuft, geht es eigentlich. Dann ist es nur eine Frage der Koordination“, so Dülfer, „aber wenn es nicht läuft, rennt man sich die Hacken ab. „Zu viel“, entschied Dülfer, „ich muss jetzt einfach kürzer treten“. Er bleibt jedoch Landesfachwart des Westfälischen Turnerbundes (WTB), Leiter des Fördervereins Korfball und Vorsitzender der Korbjäger Lünen.

Beim Staffeltag für die kommende Hallensaison, der am letzten Wochenende in Bergisch-Gladbach abgehalten wurde, machte Björn Schlachzig vom Schweriner KC das Angebot, kommissarisch den Liga-Ausschuss zu leiten. Immerhin einer, der sich anbietet.

Schlachzig wird für die Hallensaison auch die Staffelleitung für die beiden DTB-Spielklassen Regionalliga und Oberliga übernehmen. Von diesem Job ist jetzt Klaus Friedel zurückgetreten. Als „letzte Amtshandlung“ brachte das Vereinsmitglied des TuS Schildgen den Staffeltag über die Bühne.

Friedel zog für sich persönlich die Reißleine. „Aus Unzufriedenheit, wie es derzeit im Korfball läuft“, sagt der 55-jährige Rheinländer, der die Tonart der Kritik kritisiert. „Konstruktive Einwände sind legitim und erwünscht“, erläutert Klaus Friedel, „aber wenn sie überzogen sind oder sogar vernichtend ausfallen ohne bei der Sache zu bleiben, dann wird man zwangsläufig nachdenklich“.

Auch Friedel, der bei der Stadt Köln im Finanzwesen tätig ist, kritisiert den Umgang miteinander. Es fehle der Respekt. Er versteht seinen Rücktritt auch „als Signal an alle, pfleglicher miteinander umzugehen“. Vielleicht ein Weckruf zur rechten Zeit – bevor es zu spät ist, und der Korfball den Bach hinunter geht. Als „Spirale nach unten“ beschreibt Klaus Friedel die derzeitige Situation in dieser Sportart, und er spricht damit etwas aus, was sich andere nicht trauen.

Man halte derzeit den Korfballsport eher nur über Wasser anstatt ihn weiter nach vorne zu bringen, so Friedel weiter. Auch die Liga-Reform hat (noch) nicht gegriffen. Die Aufstockung der Regionalliga von sechs auf achte Vereine ist gescheitert, der TuS Wesseling hat nicht für die höchste deutsche Korfball-Spielklasse gemeldet.

Der Antrag aus den Reihen des Meisters KV Adler Rauxel, künftig wieder zweite Senioren-Mannschaften für die Regionalliga zuzulassen, wurde beim Staffeltag kontrovers diskutiert, blieb allerdings ergebnislos. „Das würde den Korfball nicht voran bringen“, bezieht Klaus Friedel klare Stellung, „es wäre vielmehr ein Rückschritt“. Zwar räumt er ein, dass manche Zweitvertretungen über mehr Spielstärke als erste Mannschaften anderer Vereine verfügen, „doch was macht es für einen Sinn, wenn eines Tages die höchste Spielklasse nur von zwei oder drei Vereinen bestückt wird?“

Die kommende Hallensaison wird nun mit sieben Regionalliga-Vereinen gespielt. Nur in Hin- und Rückrunde – ohne eine dritte Runde in Kompaktform, wie es in der letzten Spielzeit versucht worden war. Der KV Adler Rauxel hatte sogar die Abwicklung der gesamten Hallenserie mit Kompaktspieltagen beantragt, aber dafür keine Mehrheit gefunden.

von Ralf Schacht