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beim KC Grün-Weiss

„Mehr war einfach nicht drin“

Durch eine 8:10-Niederlage gegen den Schweriner KC ist der Titelverteidiger KC Grün-Weiß 1 in der Korfball-Verbandsliga vorzeitig entthront worden. Sportredakteur Carsten Loos sprach mit dem "grün-weißen" Trainer Thorsten Cramer.
Wie überraschend kam es für Sie, dass die Entscheidung bereits im drittletzten Saisonspiel fiel?

Cramer: – Das war nicht sonderlich überraschend. Unsere personelle Lage ist ja alles andere als optimal. Die Probleme haben sich ja im Laufe der Saison aufgebaut.

Hatten Sie und Ihre Mannschaft bei dieser Ausgangslage den Titel vorher abgehakt?

Cramer: – Wir sind ehrgeizig genug, um das Rennen um die Meisterschaft nicht vorzeitig abzuhaken. Aber mehr war einfach nicht drin. Drei Spielerinnen sind ja schwanger geworden; dazu konnten Christian Novinc und Sebastian Jäger aus beruflichen Gründen nicht immer dabei sein.

Wie sehr schmerzt es, nun ausgerechnet mit einer Niederlage gegen den Tabellensiebten den Titel verloren zu haben?

Cramer: – Es ist einerlei, gegen wen man verliert – ob gegen Adler Rauxel oder, wie jetzt, gegen den Schweriner KC. Ich kann da auch keinem Spieler einen Vorwurf machen. Zum Teil haben die Spieler zwei Leistungsklassen überspringen müssen. Da kommt dann keine große Enttäuschung auf.

Der KC Grün-Weiß wird die Saison womöglich als Tabellendritter abschließen. Zumindest seit 1992 war die Mannschaft stets auf den beiden ersten Plätzen. Wie wird es nun weiter gehen?

Cramer: – Due Zukunft wird zeigen, wer etwa von den schwangeren Spielerinnen wieder zurück kommt. Vielleicht bekommen wir Zugänge aus anderen Vereinen. Und wir müssen aus den eigenen Reihen aufstocken.

Zugänge aus anderen Vereinen sind im Korfball eher unüblich. Haben Sie schon Kontakte hergestellt?

Cramer: – Es wird ja neben unserer zweiten Mannschaft noch einen Absteiger geben. Wer weiß, ob dessen Spieler nicht lieber weiter in der höchsten Liga spielen wollen. Konkret angesprochen habe ich niemand.

Aus dem Verein aufstocken: Das kann ja nur aus dem Nachwuchs kommen?

Cramer: – Das ist auch unser strategisches Ziel. Wir wollen Spitzen-Korfball betreiben und eine gute Jugendarbeit machen. Diesen Spagat müssen wir schaffen. Da ist in der Vergangenheit einiges verpennt worden.

Ein Blick in die nächste Zukunft. Wie groß ist jetzt bei Ihren Spielern überhaupt noch die Spannung vor dem Spiel gegen den neuen Meister Adler Rauxel?

Cramer: – Wir sind zwar jetzt im Tabellen-Niemandsland. Aber da gibt es ja immer noch die spezielle Derby-Spannung. Jeder hat seinen persönlichen Ehrgeiz. Und vor allem haben gegen Adler einige Spieler die Chance, wieder einmal auf einem adäquaten Niveau zu spielen.

Thorsten Cramer, – 39 Jahre altes Urgestein des KC Grün-Weiß und als Siebenjähriger in den Verein gekommen, ist seit 2005 "nur noch" Trainer der Verbandsliga-Mannschaft. Davor agierte er "ein gefühltes Jahrzehnt" (Cramer) als Spielertrainer. Zugleich ist Cramer Präsident des KC Grün-Weiß. Nach den World Games im Jahre 2005 übernahm er das Amt des Nationaltrainers. Da steht die Weltmeisterschaft als erstes große Bewährungsprobe unter seiner Regie im November diesen Jahres in Haus. Auch die deutsche Auswahl ist knapp mit Personal, wie Cramer sagte: "Wir suchen dringend noch einen Teammanager."

20. Februar 2007 | Quelle: RN-Castrop-Rauxel