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Interview Sandra Anus

Ohne Schiri geht es nicht. Das ist natürlich auch bei den Korfballern so. Bei der EM in den Niederlanden ist Sandra Anus die einzige Schiedsrichterin aus Deutschland – und die einzige Frau. Ein Interview mit der 23-jährigen Ickernerin.

Fallen wir gleich mal mit der Tür ins Haus: Wie fühlt man sich als einzige Frau unter elf EM-Referees?

Sandra Anus: Klar ist das etwas Besonderes. Auch und immer noch in einer Sportart, in der Frauen und Männer gemeinsam in einem Team spielen. Dem Weltverband IKF liegt viel daran, mehr Frauen in die Reihe der Top-Schiedsrichter zu bringen. Die Einladung der IKF kam ja schon vor einem halben Jahr. Darüber habe ich mich tierisch gefreut.

Wie kommt man denn zu der Ehre, bei einem solch großen internationalen Turnier pfeifen zu dürfen?

Natürlich muss man sich durch gute Leistungen empfehlen. Man wird beobachtet und dann auch entsprechend von der IKF gefördert. Ich bin jetzt B-Schiedsrichterin, und kann damit auch internationale Spiele leiten.

Wenn man so eine Aufgabe übernimmt, dann hat man doch sicherlich auch Vorbilder. Wie steht’s bei Ihnen damit?

Da ist sicherlich Norbert Mörchen zu nennen. Der Schweriner war schon ein Beispiel für mich. Norbert Mörchen war ja auch der einzige Deutsche, der ein WM-Finale pfeifen durfte.

Das ist lange her und hatte historischen Anstrich: Mörchen leitete 1991 das einzige WM-Endspiel, das die Niederlande gegen Belgien verloren. Acht Jahre später war er nochmal WM-Schiri in Australien. Und nun Sandra Anus. Große Fußstapfen, in die Sie da treten.

Wie gesagt, ich empfinde die Nominierung als große Ehre für mich. Doch das belastet mich nicht. Ich werde versuchen, mein Bestes zu geben und mich für die WM 2011 in China zu empfehlen. Die Europameisterschaft dienst ja auch als Sichtung für die nächste Weltmeisterschaft.

Wissen Sie schon, für welche Spiele Sie nun bei der EM eingesetzt werden?

Nein. Die Besetzung für die Vorrunde wird beim Schiri-Meeting kurz vor Turnierbeginn festgelegt. Alles weitere hängt davon ab, welche Teams weiter kommen. Natürlich wird darauf geachtet, dass es keine Gewissenskonflikte gibt. Spiele mit Deutschland kommen natürlich nicht in Frage, und auch keine, die Einfluss auf das Abschneiden der Auswahl von Jan Hof und Thomas Kupka haben könnten.

Stichwort Deutsche Auswahl. Werden Sie Kontakt mit der Nationalmannschaft haben?

Viel Zeit dafür dürfte nicht sein. Wenn wir nicht pfeifen oder als Linienrichter eingesetzt werden, können wir zu Beobachtungen anderer Spiele abgestellt werden. Außerdem sind die Schiedsrichter getrennt von den Nationalteams in anderen Hotels untergebracht. Aber natürlich werde ich auch versuchen, unserem Team auch mal live die Daumen zu drücken.

Die Deutsche Auswahl ist noch recht jung. Was trauen Sie dem neu formierten Team bei der EM zu?

Ich denke schon, dass die Mannschaft einen Platz unter den besten Acht erreichen kann. Aber die früheren „Underdogs“ wie Serbien und noch mehr Ungarn haben enorm aufgeholt, da muss man aufpassen. Aber mit dem entsprechenden Herzblut wird es schon klappen mit dem zweiten Gruppenplatz, und der reicht ja.

Hinweis: Die Senioren-EM in den Niederlanden beginnt am Freitag, 22. Oktober. Insgesamt nehmen 16 Nationen teil. Deutschland trifft in der Vorrunden-Gruppe A auf Titelverteidiger Niederlande (22. Oktober), den EM-Neuling Serbien (23. Oktober) und den EM-Achten von 2006, Ungarn (24. Oktober)

von Ralf Schacht